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Törn 134 "Durch die Biscaya" Lissabon - Oostende - Seite 3

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Der erste Tag auf See war ansonsten sehr schön. Dadurch, das keine Segel gesetzt waren, waren die Wachen relativ ruhig. Die Rahen wurden angebrasst, um den Windwiederstand zu verringern. Es blieb viel Zeit, das schöne Wetter zu geniessen. Im Vergleich zu den Temperaturen in Lissabon wurde es aber deutlich kälter und der Wind frischte spürbar auf. Der Abend wurde von einem tollen Sonnenuntergang gekrönt.

Spillfoto mit mir - Foto: Ralf Engelhardt Brassen des Vortopps - Foto: Ralf Engelhardt
   
Die See wird rauher - Foto: Ralf Engelhardt Sonnenuntergang auf dem Atlantik - Foto: Ralf Engelhardt

Der nächste Tag verlief ziemlich unspektakulär - morgens Nebel, wenig Wind und Temperaturen um 13 Grad. Also weiter unter Maschine, die Bordroutine stellt sich ein. Zur Abwechslung tauchten zwischendurch ein paar Delfine in der Nähe auf, die uns kurze Zeit begleiteten.

Die morgendliche Waschküche blieb uns auch am Mittwoch erhalten, in der 4-8 Wache gab es buchstäblich nichts zu sehen. Trotzdem oder gerade deswegen wurde der Ausguck doppelt besetzt. Die Trainees wurden mit Tampensuchen und Riggtraining beschäftigt. Leider hat der Seegang und das deutliche Rollen der Roald für einige Seekranke an Bord gesorgt. Glücklicherweise konnten im Laufe des Tages wenigstens einige Stagsegel gesetzt werden, wodurch das Rollen etwas geringer wurde.

Selbst das selten genutzte Briggsegel ist während der 4-8 Nachmittagswache zur Stabilisierung zum Einsatz gekommen und sogar über Nacht stehen geblieben. Dies aber erst, nachdem sich die gesamte Wache 2 bereit erklärt hat, notfalls während der Nacht beim Bergen des großen Lappens zu helfen (Was uns aber glücklicherweise erspart blieb).

Abends hat die 8-12 Wache in der Hoffnung auf besseren Wind noch einige Rahsegel losgebunden. Leider hat dabei der Magen eines Mitseglers aufgrund des recht unangenehm spürbaren Seegangs revoltiert und es landeten einige Verpflegungsreste in der aufgegeiten Großobermars...

Auch das Briggsegel kam zum Einsatz Rasmus sorgt für das Deckspülen

Nach einer sternklaren Nacht starteten wir am Donnerstag in einen schönen Tag. Beim Deckspülen war Rasmus sehr hilfreich. Ein riesiges Hochdruckgebiet lag über ganz Europa. In Deutschland herrschten sibirische Temperaturen mit Eis und Schnee, bei uns war es sonnig, aber auch empfindlich kalt. Tagsüber wurden Zeisinge gespleißt, die Segel getrimmt - wobei insbesondere das Briggsegel zu intensiven Diskussionen über die Veränderung des Segeldruckpunktes führte. Die Groß-Obermars wollte allerdings niemand so richtig anfassen...

Obwohl auf diesem Törn kein Smut an Bord war, sorgten die wechselnden Teams in der Kombüse immer für leckeres Essen. Insbesondere Frauke hat uns regelmäßig nachmittags mit leckerem Kuchen versorgt. Auch die Seekranken tauchten aufgrund des schönen Wetters mal wieder an Deck auf und konnten etwas feste Nahrung zu sich nehmen. Bordfotograf Olli hat einige schöne Fotos geschossen. Leider hat ihn dabei am Bug aber eine Welle voll erwischt, was zu einer Zwangstrocknungsphase für Kamera und Fotograf führte.

Helmi genießt die Sonne Fritz am Ruder und Friedo passt auf Rolf geht es auch wieder besser

Über Nacht frischte der Wind immer mehr auf und am nächsten Morgen wurde der Seegang immer unfreundlicher. Die noch gesetzten Segel mussten geborgen werden, auch die Großobermars wurde durch einige Mutige nach ausreichender "Lüftzeit" wieder eingepackt. Im Laufe des Tages erreichte der Wind Stärke 7-8, so dass sich in erster Linie nur noch die Fahrwache an Deck aufhält. Auch die Seekranken schaffen es in bewundernswerter Weise, zu den Wachen an Deck zu erscheinen.

Im weiteren Verlauf wird es immer ungemütlicher. In der Nacht fliegen unter Deck die losen Gegenstände nur so durch die Gegend. Alles, was nicht festgebunden ist, setzt sich in Bewegung. Morgens kann man seine Kleidung und seine Schuhe erst einmal unter verschiedenen Kojen wiedersuchen. Bei Windstärke 8, Wellen über 6 m Höhe und Temperaturen um 5 Grad C kämpfen wir uns unter Maschine weiter nach Norden, denn der Wind kommt nach wie vor aus der für uns ungünstigsten Richtung. Mit teilweise maximal 1,5 Knoten Geschwindigkeit über Grund machen wir kaum noch Fahrt. Dazu kommt ein sehr hoher Treibstoffverbrauch. Von der Mannschaft an Deck ist außer den Nasenspitzen unter dem Ölzeug kaum noch etwas zu sehen.

Es wird ungemütlich an Deck -  Foto: Bernd Gerlach Der Bug der Roald taucht heftig in die Wellen - Foto: Oliver Düben
   
Der Klüverbaum taucht in die Wellen -  Foto: Christoph Helmschrott Rasmus sorgt fürs Deckspülen - Foto: Christoph Helmschrott
   
An Deck sind alle dick eingepackt -  Foto: Oliver Düben Skeptische Blicke aus dem Ölzeug - Foto: Oliver Düben

Aufgrund des hohen Kraftstoffverbrauchs und der weiterhin äußerst ungünstigen Wettervorhersage (Wind aus Nordost, 9-10 Beaufort im Kanal) entschließt sich Marc, unser Kapitän, Brest als Nothafen anzulaufen. Dort wollen wir eine Wetterbesserung abwarten und Treibstoff bunkern. Aufgrund des hohen Kraftstoffverbrauches hätte es sonst nicht mehr bis nach Oostende gereicht.

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