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Törn 134 "Durch die Biscaya" Lissabon - Oostende - Seite 3
Der erste Tag auf See war ansonsten sehr schön. Dadurch, das keine Segel gesetzt waren, waren die Wachen relativ ruhig. Die
Rahen wurden angebrasst, um den Windwiederstand zu verringern. Es blieb viel Zeit, das schöne Wetter zu geniessen. Im Vergleich
zu den Temperaturen in Lissabon wurde es aber deutlich kälter und der Wind frischte spürbar auf. Der Abend wurde von einem tollen
Sonnenuntergang gekrönt.
Der nächste Tag verlief ziemlich unspektakulär - morgens Nebel, wenig Wind und Temperaturen um 13 Grad. Also weiter unter Maschine, die Bordroutine
stellt sich ein. Zur Abwechslung tauchten zwischendurch ein paar Delfine in der Nähe auf, die uns kurze Zeit begleiteten.
Die morgendliche Waschküche blieb uns auch am Mittwoch erhalten, in der 4-8 Wache gab es buchstäblich nichts zu sehen. Trotzdem
oder gerade deswegen wurde der Ausguck doppelt besetzt. Die Trainees wurden mit Tampensuchen und Riggtraining beschäftigt. Leider hat
der Seegang und das deutliche Rollen der Roald für einige Seekranke an Bord gesorgt. Glücklicherweise konnten im Laufe des Tages wenigstens
einige Stagsegel gesetzt werden, wodurch das Rollen etwas geringer wurde.
Selbst das selten genutzte Briggsegel ist während der 4-8 Nachmittagswache zur Stabilisierung zum Einsatz gekommen und sogar über Nacht stehen geblieben.
Dies aber erst, nachdem sich die gesamte Wache 2 bereit erklärt hat, notfalls während der Nacht beim Bergen des großen Lappens zu helfen (Was uns aber
glücklicherweise erspart blieb).
Abends hat die 8-12 Wache in der Hoffnung auf besseren Wind noch einige Rahsegel losgebunden. Leider hat dabei der Magen eines Mitseglers aufgrund
des recht unangenehm spürbaren Seegangs revoltiert und es landeten einige Verpflegungsreste in der aufgegeiten Großobermars...
Nach einer sternklaren Nacht starteten wir am Donnerstag in einen schönen Tag. Beim Deckspülen war Rasmus sehr hilfreich. Ein riesiges
Hochdruckgebiet lag über ganz Europa. In Deutschland herrschten sibirische Temperaturen mit Eis und Schnee, bei uns war es sonnig, aber auch
empfindlich kalt. Tagsüber wurden Zeisinge gespleißt, die Segel getrimmt - wobei insbesondere das Briggsegel zu intensiven Diskussionen
über die Veränderung des Segeldruckpunktes führte. Die Groß-Obermars wollte allerdings niemand so richtig anfassen...
Obwohl auf diesem Törn kein Smut an Bord war, sorgten die wechselnden Teams in der Kombüse immer für leckeres Essen. Insbesondere Frauke hat uns
regelmäßig nachmittags mit leckerem Kuchen versorgt. Auch die Seekranken tauchten aufgrund des schönen Wetters mal wieder an Deck auf und konnten
etwas feste Nahrung zu sich nehmen. Bordfotograf Olli hat einige schöne Fotos geschossen. Leider hat ihn dabei am Bug aber eine Welle voll
erwischt, was zu einer Zwangstrocknungsphase für Kamera und Fotograf führte.
Über Nacht frischte der Wind immer mehr auf und am nächsten Morgen wurde der Seegang immer unfreundlicher. Die noch gesetzten Segel mussten geborgen
werden, auch die Großobermars wurde durch einige Mutige nach ausreichender "Lüftzeit" wieder eingepackt. Im Laufe des Tages erreichte der Wind Stärke 7-8,
so dass sich in erster Linie nur noch die Fahrwache an Deck aufhält. Auch die Seekranken schaffen es in bewundernswerter Weise, zu den Wachen
an Deck zu erscheinen.
Im weiteren Verlauf wird es immer ungemütlicher. In der Nacht fliegen unter Deck die losen Gegenstände nur so durch die Gegend. Alles, was nicht
festgebunden ist, setzt sich in Bewegung. Morgens kann man seine Kleidung und seine Schuhe erst einmal unter verschiedenen Kojen wiedersuchen.
Bei Windstärke 8, Wellen über 6 m Höhe und Temperaturen um 5 Grad C kämpfen wir uns unter Maschine weiter nach
Norden, denn der Wind kommt nach wie vor aus der für uns ungünstigsten Richtung. Mit teilweise maximal 1,5 Knoten Geschwindigkeit über Grund machen wir kaum noch Fahrt.
Dazu kommt ein sehr hoher Treibstoffverbrauch. Von der Mannschaft an Deck ist außer den Nasenspitzen unter dem Ölzeug kaum noch etwas
zu sehen.
Aufgrund des hohen Kraftstoffverbrauchs und der weiterhin äußerst ungünstigen Wettervorhersage (Wind aus Nordost, 9-10 Beaufort im Kanal)
entschließt sich Marc, unser Kapitän, Brest als Nothafen anzulaufen. Dort wollen wir eine Wetterbesserung abwarten und Treibstoff bunkern. Aufgrund des hohen
Kraftstoffverbrauches hätte es sonst nicht mehr bis nach Oostende gereicht.
Mehr gibt es auf der nächsten Seite.