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Von Holland über die Shetlands nach Norwegen mit der "Statsraad Lehmkuhl" - Seite 2
Nach Durchfahrt des Verkehrstrennungsgebietes wurden dann nach und nach die Segel gesetzt.
Hier zeigte sich, dass besonders die absenkbaren Obermars- und die Royalrahen nur mit massivem Einsatz aller Kräfte nach
oben gezogen werden können. Die Dinger sind verdammt und schwer und die Fallen sind durch 3-fach
umgelenkte Blöcke geführt - dementsprechend lang sind die Wege, bis die Rahen endlich oben sind.
Diese Arbeit wurde jedoch in der ersten Nacht durch die rote Wache mit Hilfe einer Winsch durchgeführt, so
dass hier für uns noch kein Stress aufkam. Wir hatten Zeit, den wunderschönen Abend in Ruhe zu genießen.
Die erste Nacht in der Hängematte war allerdings eher unruhig. An Deck fanden größere Segelmanöver statt, so dass es doch ziemlich unruhig war. Dazu kam das ungewohnte "Bett",
so dass ich kaum ein Auge zugemacht habe. Das hatte sich in den nächsten Tagen aber erledigt, von da an konnte ich zu jeder Tages- und Nachtzeit schlafen wie ein Stein.
Reichlich frische Seeluft in Verbindung mit körperlicher Arbeit wirkt da wie ein Wunder - ich habe lange nicht mehr so gut geschlafen.
Die Windrichtung und das Wetter blieben uns in den nächsten Tagen wohl gesonnen, so dass es sehr zügig Richtung Norden ging. Es wurden verschiedene Seewachen eingeteilt, so z.B. Ausguck,
Ruder, Brückenwache, Feuerwache, Bojenwache am Heck. Desweiteren wurde von jeder Wache jemand für die Kombüse eingeteilt.An den Wachrythmus haben wir uns schnell gewöhnt. Morgens
war es die ersten Stunden eher ruhig, ab 6.00 Uhr musste die grüne Wache dann täglich das Deck schrubben und die sanitären Anlagen reinigen. Dazu kamen dann die anstehenden Segelmanöver
und allgemeine Wartungsarbeiten, wie z.B. Rost klopfen, Messing putzen etc.
In theoretischen und praktischen Unterweisungen (Wetterkunde, Segeltheorie, Knoten, Spleißen, Riggtraining, Setzen und Bergen eines Rahsegels etc.) wurden uns einige seemännische
Grundkenntnisse näher gebracht. Das Singen von Shanties kam ebenfalls nicht zu kurz.
"Shantyman" Hakon hat uns eine Einweisung in die Geschichte des Shanties gegeben, die logischerweise
damit endete, dass wir singen durften. Ich war zunächst etwas skeptisch, aber es hat dann wirklich Spaß gemacht, mitzusingen - und wir waren glaube ich gar nicht so übel.
Man kann sicherlich darüber streiten, ob man heutzutage noch Shanties an Bord singen sollte oder nicht, aber die Shanties gehören zu den Traditionen der Seefahrt auf Segelschiffen
und es wäre schade, wenn diese Traditionen verloren gehen würden. Hakon bildet aus diesem Grund auch mit einigen Freunden den "Storm Weather
Shanty Choir", den nach eigenen Angaben jüngsten und rauhesten Piraten-Shantychor Norwegens.
Aber nach der Arbeit blieb ausreichend Zeit zum Relaxen. Morgens ging es nach dem Frühstück meistens noch eine Runde in die Hängematte. So gegen 11.00 Uhr kam dann so langsam wieder Leben in die
Mitglieder unserer Wache und man traf sich zunächst in den gut ausgestatteten Waschräumen wieder. Bis zur nächsten Wache am Nachmittag hatten wir viel Zeit, den Törn zu genießen. Wir hatten auf der
Strecke zu den Shetland Inseln das Glück, dass uns eine Gruppe von Delfinen eine Zeit lang begleitete. Es hat Spaß gemacht, diese eleganten Schwimmer zu beobachten.
Es gab insgesamt 3 Mahlzeiten an Bord, die einfach
klasse waren. Es gab gut und reichlich zu essen, besonders die Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten sind auf ihre Kosten gekommen. Aber auch für alle anderen war gut gesorgt. Verschiedene
Salate, Bratenaufschnitt, Käse, Marmelade, Schoko/Nugatcreme etc. Wechselnde warme Mahlzeiten, Nachtisch, Kuchen etc. ließen keine Langeweile aufkommen. An Getränken gab es verschiedene Teesorten,
Kaffee, Wasser und Orangensaft. Also verhungert sind wir definitiv nicht.
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