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Silvestertörn 2003 auf der Flinthörn - Seite 2
Nach dem Verlassen der Schlei ging es bei Windstärke 3 zunächst Richtung Norden. Alle "Deckhands" waren mit ausreichend warmer Unterwäsche und wetterfester Kleidung
bestens versorgt, so dass uns der kalte Wind nichts anhaben konnte. Es regnete nicht und es kam auch kein Wasser über, so dass es auf Deck nicht übermäßig glatt wurde. Die Dünung hielt sich auch in Grenzen,
so dass alle Gelegenheit haben, die "Seebeine" langsam zu trainieren.
Auch Ute, die als einzigste an Bord überhaupt keine Segelerfahrung hatte, hielt sich prima. Von Seekrankheit keine Spur. Das Schiff krängte allerdings schon ganz ordentlich, so dass der Schönling auf Helgas Kalender in der Messe
doch ganz schön schief aus der Wäsche geschaut hat.
Die Flinthörn wurde 1925 auf der Wagra Werft in Lübeck als reines Motorschiff gebaut. Sie war ursprünglich ein Petroleum-Bunkerschiff im Hamburger Hafen und hat die ersten Frachtsegelschiffe mit Hilfsmaschine mit Treibstoff versorgt.
Da man damals aber für solche Schiffe keinen eigenen Riss gezeichnet hat, wurde der Riss eines Ewers für den Bau verwendet.
Damit war das Schiff gut für einen Umbau zum Segelschiff geeignet. Flint hat das Schiff dann in den 80er Jahren zum Abwrackpreis
erworben und es in mehr als 3-jähriger Arbeit mit höheren Bordwänden versehen und zu einem schmucken Segelschiff mit der Takelage einer Galeasse umgebaut.
Tatkräftig unterstützt wurde er hierbei durch seinen Freund Ludwig, der uns auf diesem Törn ebenfalls begleitete. Ludwig ist vor allen Dingen für den schicken Innenausbau mit edlen Hölzern verantwortlich.
Und wenn die Form der Stützen der oberen Kojen jemanden an ein Weizenbierglas erinnert, so liegt er sicherlich nicht verkehrt. Es ist schon merkwürdig, wie Inspirationen entstehen können....
Nach dem wir die Südostspitze der Insel Als passiert hatten, wurde es im kleinen Belt schon etwas unruhiger - aber alle haben es problemlos überstanden. Zum Nachmittag hin wurde das Wetter immer schöner.
Belohnt wurde wir mit einem tollen Sonnenuntergang, den wir in dieser Form morgens nicht erwartet hätten.
Anschließend haben wir die Insel Aerö im Nordwesten passiert und dann Lyö von Norden her angelaufen, um dort die Nacht zu verbringen.
Das Anlegen im Hafen war nicht ganz so einfach, es waren schon vier Schiffe vor uns da. Wir mussten als fünftes Schiff im Päckchen festmachen.
Es war schon dunkel und Flint wollte noch eine Landleine ausbringen. Das ganze hat dann etwas länger gedauert, es musste erst ein Schlauchboot organisiert werden, um die lange Leine trockenen Fusses
an Land zu bringen. Aber irgendwann war dann alles fertig - bis auf eines: Die Besanschot musste natürlich auch noch angezogen werden. In dieser Disziplin zeigte sich Jan als wahrer Profi -
er hat Flints Sherry-Fässchen perfekt gehandhabt und auch nicht vergessen, das unser Schiff zwei Masten hat...
Abends konnte dann, jeder der wollte, an der Geburtstagsparty auf der "Pippilotta" teilnehmen. Einige haben diese Gelegenheit wahrgenommen und sind dann am frühen Morgen wieder in die Kojen eingelaufen. Da der Weg durch das Päckchen aber sehr beschwerlich und aufgrund Eisbildung stellenweise höllisch glatt war,
habe ich es vorgezogen, nach dem Essen an Bord der Flinthörn zu bleiben. Flints Bibliothek an Bord lies auf jeden Fall keine Langeweile aufkommen, es waren einige hochinteressante Bücher dabei.
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